Buch der Weisen im Web2.0

WEb 2.0 - Integration in Organisationsstrukturen

Social Software stellt Unternehmen vor Herausforderungen
Wien - Das Übertragen von erfolgreichen Web-2.0- und Social-Software-Konzepten wie Wikis, Weblogs, Tags und RSS Feeds aus der privaten Internet-Welt auf interne und externe Unternehmensprozesse ist vielerorts von Fehlannahmen und Missverständnissen geprägt. Zu diesem Schluss sind die Teilnehmer einer Expertenrunde zum Thema "Next Generation Media" gestern, Dienstag, in Wien gekommen. Viele Unternehmen würden übersehen, dass es sich bei den genannten Netz-Phänomenen teilweise immer noch um soziale Randerscheinungen handle. "Das erschwert eine 1:1-Umsetzung auf Organisationsstrukturen natürlich erheblich", meinte etwa Bruno Haid, Leitung Strategie bei system one http://www.systemone.at .

"Innerhalb von Unternehmen sind Mitarbeiter normalerweise kaum aktiv an der Produktion von Content beteiligt. Die meisten der Web-2.0-Tools wie Blogs oder Wikis leben aber gerade von dieser aktiven Content-Produktion ihrer Anwender", gibt Thomas N. Burg, Gründer Social Software Lab http://permalink.info zu bedenken. Um das Potenzial von Web 2.0 und Social Software auch intern optimal auszunutzen müssten folglich auch Motivationsanreize für die Mitarbeiter geschaffen werden, um derartige Tools zu benutzen. Als besonders delikate Problemstellung wertete Burg in diesem Zusammenhang die Frage, was mit dem produzierten und organisationsintern zur Verfügung gestellten Content passiere, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlasse.

"Die interne Weitergabe von Wissen ist für ein Unternehmen enorm wichtig - das kann durch derartige Tools natürlich entscheidend verbessert werden", ist auch Stefan Tweraser, Leiter Marketing Retail Telekom Austria http://www.telekom.at , überzeugt. Wie Burg ortet er aber ebenfalls eine Motivationsherausforderung. "Der Mitarbeiter muss vom aktiven Einsatz des Tools letztlich profitieren. Wenn der Chef anruft und den öffentlichen Einträgen in einem firmeneigenen Blog oder Wiki Beachtung schenkt, dann ist das für den Mitarbeiter relevant", meint Tweraser. Die technischen Möglichkeiten allein würden eine erfolgreiche Implementierung in Unternehmensstrukturen folglich nicht gewährleisten, Tweraser.

Was die externe Kommunikation eines Unternehmens mit seinen Kunden betrifft, orteten alle Diskussionsbeteiligten enormes Potenzial durch den Einsatz von Web-2.0-Konzepten. "Um Kundenansprüchen heutzutage gerecht zu werden, müssen Unternehmen einen 'Tag der offenen Tür' 356 Tage im Jahr anbieten", ist Markus Hübner, Geschäftsführer brandflow http://www.brandflow.at , überzeugt. Unternehmen müssten sich bewusst sein, dass Konsumenten sich noch nie so nahe an der Kasse - nämlich nur einen Mausklick entfernt - befunden hätten, wie heute. Darüber hinaus hätten Studien gezeigt, dass Mundpropaganda, auch im Sinne von Web-2.0-Communities, mittlerweile zum wichtigsten Marketinginstrument geworden sei, so Hübner.

Die Diskussion fand im Rahmen der österreichischen Staatspreisverleihung für Multimedia & e-Business http://www.multimedia-staatspreis.at/ statt.

Wieder mal was neues im Web2.0 - folkd.com ist eine der neuesten interessanten ideen neben vielen anderen, die zur Zeit im Internet sprießen und im Social Network gedeihen wie der Sauerampfer auf dem Mist. Profitabler Social-Webservice, der sich hauptsächlich mit Audioaufnahmen, Bookmarks, News und Blog-Einträgen befasst. Durch den Service, der auch eine Browsererweiterung für Mozilla Firefox und den Microsoft Internet Explorer anbietet, kann der Nutzer schon während des Surfens Inhalte abspeichern, aufnehmen, bewerten und weiterempfehlen. Zudem können Einträge anderer Community-Mitglieder eingesehen werden. "Die Browser-Erweiterung sowie die Webseite sind sehr modular aufgebaut. Bislang gibt es nur Pages, News, Audios und Notes, aber die Nachfrage nach Video- und Photo-Content steigt", so Bastian Karweg, Gründer des Portals, gegenüber pressetext.

Über das AJAX-Interface können die User ihre präferierten Webseiten abspeichern, über aktuelle News berichten, Audioaufnahmen erstellen und Freunde einladen. "folkd.com versucht das 'Surferlebnis' zu bereichern. Der Benutzer soll während des Surfprozesses einfach mit anderen Usern interagieren können und dadurch themenrelevante Informationen und multimedialen Content finden", erklärt der Gründer. Alle Inhalte können mit Tags versehen, bewertet und weiterempfohlen werden. Das Ergebnis der bewerteten Inhalte hängt nicht nur von der Nutzeranzahl ab, sondern auch davon, wer diese User sind und ob andere den Eintrag tatsächlich nutzen.

"Wir sind das erste Portal, das dieses Reputations-Bewertungssystem verwendet", sagt Karweg. Finanziert würde das Portal durch Advertising. "Über Werbeframes bekommt der User gezielte Informationen zugeschickt, die auf seine Interessen abgestimmt sind", erläutert Karweg im pressetext-Interview. Das Portal befindet sich seit dem 24. Juli 2006 in der öffentlichen Beta-Phase. Bereits jetzt hätten sich über 900 Benutzer registriert.

Laut seinen Angaben soll das gesamte Interface in Zukunft viersprachig zur Verfügung gestellt werden, wobei der User Inhalte bestimmter Sprachen ein- oder ausblenden könne. Besonders interessant am Webservice sei auch die Audiofunktion, die das Uploaden und Verlinken von Audiodateien oder das Aufnehmen mit einem Mikrofon ermöglicht. folkd.com ist ein Produkt der Huber New Media Publications mit Sitz in London. Entwicklung und Management befinden sich in Karlsruhe, Deutschland.

Und ist schon wieder Geschichte: Chris de Wolfe dürfte nach dem Anruf erst einmal kräftig geschluckt haben. Kein geringerer als Rupert Murdoch, Chef des US-Medienkonzerns News Corp., war am Telefon und wollte die Firma des Kaliforniers kaufen. 580 Millionen Dollar (etwa 450 Mio. Euro) bot der 75-Jährige de Wolfe und seinem Partner Tom Anderson für das von ihnen gegründete Internetportal myspace.com. Im Juli 2005 folgte die Übernahme.

Bei myspace.com haben sich bis September 2006 an die 100 Millionen Nutzer registrieren lassen - und täglich steigt die Zahl, pro Woche sollen es an die 500 000 sein, die sich über Gott und die Welt, über Musik und andere Interessen austauschen. Während der Informationstausch virtuell erfolgt, sind die Erträge von Murdoch real. Bereits jetzt sollen zehn Prozent der Online-Werbung auf myspace.com platziert werden. Analysten wie Werbefachleute sind sich sicher: Für 580 Mio. Dollar hat sich Murdoch eine Goldgrube gekauft. Vor Investoren soll der Medienunternehmer im Frühjahr für das Geschäftsjahr 2007 Erlöse von rund 500 Mio. Dollar aus dem Internetgeschäft prognostiziert haben.

Myspace.com gehört zur zweiten Generation des Internets - jener Gruppe, die sich unter der wenig aussagekräftigen Flagge web2.0 vereint. Bei web2.0 ist der Internet-Nutzer nicht mehr Konsument von Inhalten, sondern wird zunehmend zum Produzenten von Inhalten. Vor knapp zwei Jahren startete web2.0 und seitdem sind auf der Basis offener Webtechnologien viele hundert neue Anwendungen, Geschäftsideen und Portale entstanden.

Nach dem Platzen der Internetblase 2000, als viele Unternehmen der ersten Internet-Generation die Segel streichen mussten, nun Häme über das Geschäft mit den Millionen zu verschütten, wäre falsch. Denn zum einen steht bloggen stellvertretend für eine strukturelle Veränderung im Netz und zum anderen wächst eine Generation heran, die über die Technik, schnelle Datenleitungen wie DSL verfügt und sich ganz selbstverständlich im Web tummelt und es nutzt. Fakt ist auch, dass einige dieser Portale ein Millionenpublikum eingesammelt haben.

"Tiefgreifende Konsequenzen"

Die neuen heißen www.blish.com (Marktplatz), www.blummy.com (Lesezeichen für das Internet) oder www.blurb.com (alles rund ums Buch) - was wie ein simpler Kinderreim klingt, sind drei Neugründungen, die sich auf der Seite web2list.com eingetragen haben. Bis gestern waren dort 851 neue Seiten gelistet und hinter einem Großteil stecken Geschäftsideen. "Zwar darf als sicher gelten, dass die meisten dieser gelisteten Services den Sommer 2007 nicht erleben werden (und auch nicht das Glück haben werden, von Google, Yahoo oder von Rupert Murdochs Medienimperium aufgekauft zu werden). Ebenso sicher ist aber auch, dass das Web einen qualitativen Wandel mit tiefgreifenden Konsequenzen erlebt"